Früh morgens, noch bevor auf Fort Cochin die ersten Lichter angingen, sass ich bereits im Sarong gehüllt auf der Veranda meines Guesthouses... der Tag hatte schon seit einem Weilchen für mich gestartet, meine asana-practice bereits hinter mir... ja und da sass ich nun; hier, wo ich sehnlichst auf meinen Besuch wartete; hier wo ich mit ‚meinen‘ Jungs verabredet bin! In Kerala, „Gods own country“, wie es ehrgebürtig genannt wird.
Entgegen meinen Jungs war die Hitze bereits angekommen, auch wenn die Zeiger der Uhr noch nicht in die linke Hälfte des Ziffernblattes gerutscht sind... Kerala im März, da schütteln Kenner nur den Kopf ;-). Und trotz dünnem Sarong war es mir in so früher Morgenstunde schon richtig warm – und noch intensiver warm ums Herz, um hier genau zu sein!
Ich schaue unentwegt in die Dunkelheit – nichts rührt sich, alles ist noch am Schlafen. Und dann: die Lichter eines Wagens erscheinen und das Auto fährt vor...jupieee.... sie sind da!!!
Meik & Philipp, mit ihrem unverkennbaren wunderschönen Strahlen, steigen die Veranda empor und ich jauchzend ihnen entgegen... Wow – sooo schön! Ich bin richtig glücklich!
Wir umarmen und knutschen uns, so freudig über unser Wiedersehen… Yes here we are – the three of us – close together, was sich während den kommenden Tagen, wo wir Kerala auf dem Wasser und in den Bergen erkunden werden, kaum ändern wird. Ich glaub es waren nie mehr als ein paar Meter Abstand zwischen uns ;-) A real dream-team!
Obwohl die beiden die ganze Nacht durchgeflogen sind und kaum geschlafen haben, sind sie voller Elan & Spannung und wollten sogleich los, hinein ins neue Land – gespannt auf Incredible India!
Und los gings – für Meik & Philipp die ersten Eindrücke von diesem unfassbaren Flecken auf Erden sammeln. Wir schlenderten die noch leeren Gassen entlang, erzählten und quatschten – konnten immer noch kaum fassen, dass wir wirklich alle hier zusammen sind.
Fort Cochin erwachte erst langsam und wir konnten die ersten Momente unserer Entdeckungstour noch ohne Menschen um uns erleben – ein wahrlich seltenes Erlebnis in India! Und kurz darauf kamen sie dann auch schon aus ihren Häusern. Männer und Frauen, alt und jung, in Sari’s und Lungi’s gekleidet oder auch mit westlicher Kleidung – everything can be seen! Welcome to India!
Am Ufer herrschte bereits ein reges Treiben – die Fischer waren schon seit Langem unterwegs und haben zu dieser Stunde ihren heutigen Fang bereits beinahe verkauft.
Meik & Philipp sind schon richtig ‚angekommen‘, wie ich empfinde. Tauchen voller Freude ins bunte und wirre India ein ;-)
Ja und nun ist höchste Zeit für unseren ersten Chai! Einen Chai am Strassenrand trinken, für mich immer das happening, welches mich ‚in Indien angekommen‘ fühlen lässt. Und dies möchte ich die beiden natürlich unbedingt auch fühlen lassen ;-).
Und wie könnte es schöner sein: mit einem Chai in der Hand stehen wir auf einem traditionellen Fischerboot, die chinesischen Netze bereits eingezogen, jedoch haben wir von hier aus, auf dem Wasser, eine wunderschöne Sicht aufs Meer, wo wir noch ein paar der berühmten Fischernetze draussen sichten können.
Welcome to Kerala – again, a totally different place, different tradition and different people, as in every part of India I’ve come so far. Ich fühle mich immer wieder von Neuem, wie wenn ich ein neues Land betreten hätte. Ein neuer spannender Ort, mit einem eigenem, neuem Charakter – und gleichzeitig auch immer wieder die mir bekannten ‚Dinge‘, welche dann eben doch zeigen: you are in India!
Bevor die Hitze unerträglich wurde und die beiden mit ihrer Freinacht im Gepäck wohl brutal in den Boden erdrückt hätte – sind wir wieder zurück zum Guesthouse, wo unser freundliche Gastwirt uns Frühstück servierte. Die Kerala-Küche, wie das Land einzigartig und einmal mehr einfach anders als ich es bisher von Südindien kenne. Yammi – wir haben uns von den Spezialitäten und Köstlichkeiten verwöhnen lassen! Wobei es einzugestehen gilt, dass es ab und zu doch etwas Angewöhnung gebraucht hat ;-). Unser erstes Frühstück hab ich dann aber nicht dem Zufall überlassen wollen, sondern wollte dass die beiden gleich die berühmten Idli’s kosten können. Und wenn’s mir recht ist, hats zumindest einem von ihnen auch gut gemundet ;-).
Wir haben diesen ersten Ferientag bereits super genossen und ausgenutzt. Neben Schlaf-Nachholen sind wir in Café’s gesessen, durch Fort Cochin geschlendert und den Abend unter Sternenhimmel im traditionellen Fischrestaurant direkt am Meer ausklingen lassen! Und allem vorne dran, haben wir unser Wiedersehen genossen und gefeiert!
Am nächsten Tag gings dann auch schon los auf unsere Kerala-Entdeckungs-Reise. Angefangen mit der backwater-house-boat-tour: da wir nicht im Voraus ein Boot gemietet haben, sind wir einfach mal zum Hafen in Allepey gefahren, die Hafenstadt im District Alappuzha, die bekannt für ihre malerisch schönen Kanale, backwaters, Strände und Lagunen ist – und deshalb auch ‚das Venedig des Osten’s‘ genannt wird. Wir haben uns die unendlich vielen Boote dort angeschaut. Sind von einem Ende der Anlegestelle zum anderen gelaufen – haben die houseboats inspiziert, verglichen und dasjenige gesucht, worauf wir uns wohl fühlten. Es war richtig lustig ;-) sind wir oft durch Boote hindurchgelaufen um an ein dahinter liegendes heran zu kommen, welches unser Interesse geweckt hat. Und hinzu natürlich all die Rufe der Besitzer oder Angestellten, die uns als Gäste ergattern wollten. Hihi, wir waren heiss begehrt ;-).
Nach einigem Abwiegen haben wir uns dann entschieden – für die „Pearl“. Welche sich bald als wahrhaftige Perle heraus stellte. Hauptunterschied zu anderen Booten war, dass unsere Pearl oben eine zweite Etage hatte, eine Sitz- und Liegefläche, unsere private Lounge! Wo wir während dem Fahren am Tag uns jeweils in angenehmer Privatsphäre hingepflatscht haben... relaxed, die Aussicht genossen, gelesen, gelacht und einfach unendlichen Spass gehabt haben!
Es war genial... alles stimmte... zwei Nächte, drei Tage, genau perfekt.
Wir erlebten eine abentliche Sonnenuntergangs-Kanu-Fahrt durch einen kleinen Wasserkanal, vorbei an farbigen Häusern, wo wir einen Einblick ins Leben der Menschen ab der grossen Städte gewinnen konnten... einen Abstecher an Land (wo wir zum Entsetzen der Einheimischen die Hauptattraktion – eine katholische Kirche - ganz frech links liegen gelassen haben;-)... Wunderschöne Stunden in unserer Lounge... und jede Mahlzeit an Bord ein köstliches Gericht (ein Lob an die Küche, wir waren echt überrascht wie lecker es immer war)!
Und obwohl es Nachts in der Kajüte so richtig unerträglich heiss wurde (so was hab ich echt noch nie vorher erlebt) – wir schätzten dass es weit über 30 Grad gewesen sein muss ;-) – und der Ventilator entweder nicht richtig funktionierte oder er dann grad sprichwörtlich durchgebrannt ist, wir haben eine einmalige Zeit erlebt!
Kaum zurück in Allepey angelegt, haben wir dann zum Glück meine Schlarpen, die ich vor drei Tagen irgendwo hier liegen gelassen habe, wieder gefunden ;-) wer hätte das gedacht... und wieder vollständig ausgerüstet (meine Schlarpen haben so langsam Kult-Status erreicht;-) und dürfen drum nicht fehlen...) gings auf Taxi-Suche, sprich aufs Abenteuer „Feilschen“. War gar nicht einfach, richtig hartnäckig, die Malayalam-Herren mit ihren stolzen, weissen Ambassador-Schlitten.
Nach einigem Hin und Her haben wir uns dann geeinigt – und los gings. Unser Fahrer war wiederum ein Glückstreffer.
Er hat uns sicher durch die nicht enden wollenden geschlängelten Strassen gefahren und ist auf alle unsere Wünsche eingegangen.
Von der Küste gings als erstes ab nach Kumily, auf 600 Meter Höhe, beim Thekkady-National-Park, wo wir natürlich eine standesgemässe Wildlife-tour im Tiger-Reserve machen wollten! Auf dem Weg dorthin gabs einen kurzen Stopp in einem spice village, wo wir eine spannende und sooo lustige Führung durch einen AyurvedaHeilPflanzenGarten erlebten. Unser Führer war ja der Spassvogel schlechthin ;-) gepaart mit einem grossen Wissen, was die Tour einmalig werden liess! In Kumily hiess es dann Unterkunft suchen – was wir zu Fuss machten und unserem Chauffeur ne kleine Pause gegönnt haben; und unseren Beinen endlich mal wieder etwas Bewegung! Wir fanden ein richtig schnuckeliges Guesthouse, the Oasis (wärmstens zu empfehlen) – wo wir von dem süssen Ehepaar liebevoll bewirtet wurden und wo wir unser Zimmer mit der riiiesen Terrasse bis spät abends mit schönen Gesprächen ausgekostet haben – hmm, das vermisse ich drum sehr beim Reisen; das Zusammensein mit Freunden, Gespräche führen, Gespräche, die man eben nur mit Freunden führen kann.
Am nächsten Morgen dann gings los, ab in die Natur. Und man stelle sich vor: wir haben doch tatsächlich keines der „man sieht diese mit hundert Prozentiger Sicherheit“- Tiere entdeckt. Keine Tiger, Leoparden oder andere fauchende Raubkatzen. Hehe!
Aber schön wars... ein paar Stunden zu Fuss durch die traumhafte Natur, und wie immer mit viel Spass und herzhaftem Lachen! Und trotz des Abhandenseins der ‚grossen‘ Tiere konnten wir dank unserem Ranger ein paar spannende Sachen lernen – und Affen sowie eine Art Schlaftier haben wir dann doch auch noch entdeckt ;-). (Hier der Beweis – und auch andere Eindrücke...).
Von Kumily gings weiter hinauf, stets auf kurvigen, passähnlichen Strassen, die so eng waren, dass man meinte, der Entgegenkommende passt niemals heil an einem vorbei – aber unser Ambassador hat sich bravurös an allen vorbei, über alle Hügel und durch Kurven manövriert, immer weiter hinauf, bis wir in der Hill-Station Munnar, das Land des Tee’s, auf 1500 Meter über Meer, angekommen sind.
Wow - eine unbeschreiblich schöne Natur! In den verschiedensten Grüntönen leuchtendeTee-Plantagen, soweit das Auge reicht. Für mich war es das erste Mal, dass ich Tee-Büsche sah und ich war richtig verzaubert von der Schönheit dieser Hänge. Meik & Philipp, die bereits Profis auf diesem Gebiet waren, haben mir alles erklärt und gezeigt (wie man pflückt, warum die Büsche wie angepflanzt sind, etc).
Der tea-trek war genial – und ich habs so genossen, endlich mal wieder zu Fuss einen Berg hinauf zu laufen ;-) (jaja, ich bin den Bergen eben wirklich hilflos verfallen – und da ich schon ein Weilchen auf meine geliebten Schnee-Berge am verzichten bin, so habe ich dafür die Tee-Berge umso mehr genossen)!
Wir haben noch so einiges erlebt, besichtigt und erforscht... haben jeden Moment unserer Tage in Kerala bis zum Maximum genossen... sooo viel gelacht und einfach „schee wars“
(wenn ich hier mal jemanden zitieren darf, *smile*).
Back in Kochi sind wir direkt mit unserer weissen Kutsche in Ernakulam eingefahren, wo sich der Bahnhof befindet; und wo unser nächstes typical-India-Abenteuer startete: das Zugreisen! Nach edler Privat-Taxi-Fahrt-mit-Chauffeur eine tolle Abwechslung! Ja das Reisen in den indischen Zügen - eine Passion die bald auch zwei weitere Menschen befallen hat
;-).
Ratternd und rumpelnd, über hohe Brücken und durch unendlich viele Tunnels (ein Glanzstück im Schienenbau, wie ich Monate später erfahren habe), haben wir oft weit unter uns, durch die Brücke hindurch-sehend, direkt aufs Meer geschaut... Richtig eindrücklich - und nichts für Nicht-Schwindelfreie ;-)!
Unser Nachtzug back to Goa - wo wir wie Babys in der Wiege geschaukelt, richtig gut geschlafen haben... Und voller Eindrücke und Erinnerungen an unsere Abenteuer in Kerala erwachten wir zum immernoch gleichen rhytmischen Rattern. Glücklich waren wir... und tief dankbar, eine so unvergessliche Zeit miteinander erlebt zu haben. A real dream-team eben!